Meine Gedanken zu einem neuen Vintage Film
Von Marwan El Mozayen / SilvergrainClassics

Ich will ehrlich sein: Dieser Film hat mich zunächst nicht gerade begeistert. Bei allem, was auf dem alten Material der Orwo Filmfabrik Wolfen basiert, war ich immer etwas skeptisch. Aber nachdem ich den OptiColour 200 nun schon eine ganze Weile sowohl im 35-mm- als auch im 120er-Format verwendet habe, kann ich sagen, dass ich tatsächlich Gefallen an diesem Film gefunden habe.
Was dahinter steckt
Der OptiColour 200 wird in Deutschland von Optik Oldschool in Zusammenarbeit mit InovisCoat hergestellt. Technisch basiert er auf der Wolfen NC200-Emulsion, die in dieser Form bisher noch nie auf den Markt gekommen ist und qualitativ über den gängigeren NC400/500-Filmen liegt.
Vereinfacht ausgedrückt bedeutet das:
- Natürliche Farben mit kräftigen Grün- und Rottönen
- Gute Hauttöne
- Deutlich erkennbare Körnung bei ISO 200
- Und – ganz wichtig – ein orangefarbener Filter, der das Scannen erheblich erleichtert

Warum ich anfangs skeptisch war
Wolfen-Filme zu verwenden, erlebte ich immer als ein kleines Risiko. Manchmal lieferten sie wirklich interessante, fast schon vintage-artige Ergebnisse. Manchmal waren sie einfach unberechenbar. Ich hatte Probleme mit der Belichtung, einige Lichteinfälle, und das Scannen (vor allem auf unserem Fuji Frontier) war oft ein ziemlicher Kampf.
Ich habe der ISO-Angabe auch nie wirklich getraut. Normalerweise belichtete ich diese Filme eher mit einer Empfindlichkeit von ISO 100–160. Selbst dann waren passable Ergebnis eher Glückssache. Hinzu kam, dass mir die gesamte Aufmachung dieser Filme nie ganz überzeugend erschien. Daher hatte ich zu Beginn keine allzu hohen Erwartungen an den neuen OptiColour 200.
Ausschlaggebend war ein Gespräch mit dem Team hinter dem OptiColour 200. Die Leute waren sehr offen und haben ganz klar dargelegt, was der Film leisten kann und was nicht. Ich merkte, die verstehen das Material wirklich. Ich bekam plötzlich Lust, mich auf den Film einzulassen.

Shooting mit dem Kleinbildfilm OptiColour 200 in Frankfurt a. M.
In seiner Kleinbild-Konfektion, kann man sagen, liebt dieser Film das Licht. Wenn man ihm gute Bedingungen bietet, belohnt er einen dafür. Ist dies nicht der Fall, kann das Ergebnis durchaus zu wünschen übrig lassen. Im Freien funktioniert er gut, und bei schlechteren Lichtverhältnissen ist der Einsatz eines Blitzes auf jeden Fall von Vorteil.
Für ein ganz besonderes Shooting begab ich mich nach Frankfurt
- mit der Leicaflex SL2 Mot,
- mit einem 90mm Summicron
- und das bei eher etwas gedämpften Licht.
Die Porträts sind wirklich gut geworden. Natürliche Hauttöne, ein wenig Struktur durch die Körnung. Ein leicht magazinartiger Look der Bilder kam gut zur Geltung. Auch bei Kompaktkameras liefert der Film überraschend gute Ergebnisse – solange genügend Licht vorhanden ist.

Das Mittelformat ist die bessere Wahl für den OptiColour 200
Als Mittelformat 120 kommt der Film erst richtig zur Geltung. Alles wirkt etwas stabiler – die Körnung sieht besser aus, die Farben wirken einheitlicher, und insgesamt funktioniert er einfach zuverlässiger. Er hat mich tatsächlich an ältere AGFA-Filme aus den späten 80er Jahren erinnert.
Es ist kein „perfekter“ Film wie Kodak Portra, und er ist bei weitem nicht so klar wie Kodak Ektar. Aber er bietet eine schöne Balance zwischen natürlichen Farben und jenem leicht rauen, klassischen Film-Look.
Look and Feel
Was dich erwartet:
- Natürliche Farben mit etwas mehr Ausdruckskraft bei Grün- und Rottönen
- Gute, naturgetreue Hauttöne
- Sichtbare Körnung (vor allem bei 35 mm)
- Solider Kontrast
Manchmal ist in den hellen Bereichen auch ein leichtes Schimmern zu sehen, das von der Antireflexschicht herrührt. Nichts Außergewöhnliches, aber es verleiht dem Bild einen gewissen Charakter.
Handhabung und Scanning
Was die Belichtung angeht, würde ich sagen: Nicht zu knapp belichten. ISO 200 funktioniert, aber etwas reichlicher belichten ist von Vorteil. Bei Bedarf kann man die Belichtung um eine Blendenstufe erhöhen, aber das ist nicht wirklich das, worin der OptiColour 200 seine Stärken ausspielt.
Ein dickes Plus: Das Digitalisieren des Materials ist erstaunlich einfach. Dank des orangefarbenen Filters lässt sich dieser Film auf Laborscannern wie dem Fuji Frontier hervorragend verarbeiten. Allein das macht einen riesigen Unterschied zu älteren Wolfen-Filmen.

Abschließende Gedanken
Dies ist kein Ersatz für den Kodak Portra. Das will der OptiColour 200 auch gar nicht sein. Aber im Vergleich zu früheren Filmen auf Wolfen-Basis fühlt sich dieser Film wie ein Riesen Fortschritt an. Er ist gleichmäßiger, einfacher zu handhaben und insgesamt viel unkomplizierter. Ich war, wie gesagt, anfangs wirklich skeptisch. Nachdem ich den Film erst einmal unter verschiedensten Bedingungen ausprobiert belichtet hatte. Dann aber überzeugten die entwickelten Ergebnisse.
Letztendlich ist das natürlich meine persönliche Meinung: mir gefällt dieser Film wirklich gut. Er ist mittlerweile immer in meiner Fototasche dabei, vor allem bei Porträts und bei der Arbeit mit längeren Brennweiten. Ich finde, der Film funktioniert besonders gut mit lichtstarken Objektiven wie einem 90 mm f/2 oder einem 85 mm f/1,4. Aber auch mit klassischen lichtstarken Zoomobjektiven wie einem 80–200 mm f/2,8 für redaktionelle Arbeiten.
Aus irgendeinem Grund tendiere ich bei diesem Film ganz automatisch zu dieser Kombination. Bei Weitwinkelaufnahmen verwende ich den OptiColour 200 seltener. Ich kann nicht einmal genau sagen, warum – meine Erfahrung fühlt sich für mich einfach richtig an. Klar ist jedoch: Je größer das Format, desto besser ist die Leistung dieses Films. Im 120er-Format zeigt er bereits eine spürbar höhere Leistung in Bezug auf Konsistenz und Gesamtqualität.
Mit Blick auf die Zukunft glaube ich ehrlich gesagt, dass der OptiColour 200 eine sehr interessante Emulsion im Großformat sein könnte. Sollte es jemals dazu kommen, würde ich das auf jeden Fall gerne ausprobieren.
Zu den Bildern
Alle Fotos in diesem Beitrag stammen von Marwan El Mozayen. Sie wurden auf Optic Oldschool OptiColour 200 aufgenommen. Gescannt wurde mit der Fuji Frontier.
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