Ein Dia ist klein

und doch kann es auf einer großen Leinwand
einen ganzen Raum mit seiner Bildwirkung füllen

Ein Interview mit Robert Lamprecht

Von Hermann Groeneverld / SilvergrainClassics

„Der Zauber liegt für mich darin, dass sich Menschen gemeinsam Zeit für Bilder nehmen. Alle sehen dieselbe Bildfolge im selben Moment. Musik, Überblendung und die Größe der Leinwand geben den Fotografien eine Wirkung. Ein flüchtiger Blick auf das Display eines Mobiltelefons würde wenig Raum dafür lassen.“

Wolkenstruktur über dem Wald von Berghausen, Hessen

Der Mensch hinter der Kamera

HG

Robert, bevor wir über Fotografie sprechen, legen wir die Kamera kurz beiseite. Erzähl uns von dir. Wo und wann bist du geboren? Wo liegen deine persönlichen Wurzeln, wo bist du aufgewachsen? Welche Menschen oder Begebenheiten haben dich besonders geprägt?

RL

Ich bin Jahrgang 1956 und komme aus Wetzlar, der Leica-Stadt. Von Beruf bin ich Physiker. Mein beruflicher Weg führte mich in den Vertrieb und die internationale Unternehmensführung. Daneben begleiten mich seit meiner Jugend zwei große Leidenschaften: das Bergsteigen und die Fotografie. Mein Vater hat in meiner Jugend mit einer alten Braun Paxette fotografiert und seine Schwarzweissfotos selber entwickelt und vergrößert. 

Seit 1973 gehöre ich dem Deutschen Alpenverein Sektion Wetzlar (DAV) an. Ich war dort Tourenführer, mehrere Jahre zweiter Vorsitzender und über 25 Jahre als Fachübungsleiter Bergsteigen tätig. Rund 200 Reisen habe ich organisiert und geleitet. Unterwegs zu sein und Erlebnisse mit anderen Menschen zu teilen, zieht sich also durch mein Leben. Die Fotografie gibt mir die Möglichkeit, davon etwas festzuhalten und später weiterzugeben.

Wie alles begann

Tochter Johanna: statischer Aufladung ihrer Haare bei einem Gewitter (Grand Canyon, USA)

HG

Erinnerst du dich noch an deine ersten Schritte in der Fotografie? Was hat damals deine Begeisterung für das Fotografieren geweckt, so das daraus später eine Passion wurde? Gab es sowas, wie einen besonderen Moment?

RL

Seit 1974 fotografiere ich mit Leica. Zu den Kameras, mit denen ich gearbeitet habe, gehören die Leicaflex SL und später verschiedene Modelle des Leica-R-Systems. Wichtig für meine fotografische Ausbildung war Theo Kisselbach, der Leica-Fotograf und Buchautor. Bei ihm habe ich fotografieren und vergrößern gelernt.

Mein Leitgedanke ist Malen mit Licht. Eine Landschaft ist für mich nicht allein durch ihre Form interessant. Entscheidend ist, wie das Licht sie verändert. Daraus entsteht meine Art zu fotografieren: genau hinsehen, die Belichtung bewusst wählen und den richtigen Moment abwarten. Bei meinen analogen Aufnahmen musste diese Entscheidung vor dem Auslösen fallen. Das hat meine Arbeitsweise über Jahrzehnte bestimmt.

Prägende Erlebnisse und fotografische Meilensteine

Brechung der Sonnenstrahlen an kleinen Eiskristallen hauchdünner Cirruswolken in 6.000 bis 12.000 Metern Höhe (Pamirgebirge in der UdSSR)

HG

Wenn du heute auf deine wahrlich beträchtlich lange fotografische Laufbahn zurückblickst: Welche Begegnungen, Reisen oder Aufnahmen sind dir besonders in Erinnerung geblieben? 

RL

Besonders wichtig sind mir die Reisen und Expeditionen, die ich selbst organisiert habe: nach Island, in den Pamir der damaligen Sowjetunion, in die Sahara, nach Alaska, in den Südwesten der USA sowie nach Namibia und Südafrika. Dazu kommen sehr viele Berg- und Klettertouren in den Alpen. Bergsteigen und Fotografieren gehören für mich eng zusammen.

Eine besondere Stellung nimmt die Toskana ein. Seit Mitte der 1990er-Jahre kehre ich immer wieder dorthin zurück. Florenz und Siena faszinieren mich ebenso wie die interessanten Landschaften, deren Stimmung durch die unterschiedlichen Lichtbedingungen sich verändern. 

Zu den fotografischen Meilensteinen zählen der erste Preis beim Philips-Fotowettbewerb 1978 und der Grand Prix mit dem weltweiten ersten Preis beim OLYMPUS ’86 Vision Age International Color Slide Photo Contest im Jahr 1986. Mein Archiv umfasst rund 80.000 Originaldias.

HG

Gab es ein Erlebnis, das deine Sicht auf die Fotografie nachhaltig verändert hat? Vielleicht sogar ein Bild, auf das du heute noch besonders stolz bist?

RL

Die wiederholte Beschäftigung mit der Toskana steht besonders deutlich für meine Art des Sehens. Ein Ort ist fotografisch nicht abgeschlossen, nur weil ich ihn einmal aufgenommen habe. Das Licht kann eine vertraute Landschaft so verändern, dass ein ganz anderes Bild entsteht. 

Die Auszeichnungen von 1978 und 1986 sind wichtige Stationen meiner Laufbahn. Welche einzelne Aufnahme ich heute hervorheben möchte, würde ich aber gern anhand des Bildes und seiner Entstehung erzählen:

1980 war ich zur Besteigung eines 7000m hohen Berges in der damaligen UdSSR. Beim Abstieg sah ich einen vielfarbigen Halo. Hier hat sich das Sonnenlicht an Eiskristallen in großer Höhe gebrochen und diesen Halo erzeugt, der wie ein Regenbogen aussieht. Seit damals bin ich immer auf der Suche weiterer atmosphärischer Himmerlserscheinungen. So habe ich in Namibia erstmals vor einigen Jahren einen grünen Blitz oberhalb der Sonne fotografieren können.

Grüner Blitz bei Sonnenuntergang, entstanden durch Lichtbrechung in den Luftschichten der Erdatmosphäre (Swakopmund, Namibia)

Analog und digital

HG

Der analogen Fotografie und insbesondere dem Diafilm bist du eng verbunden. Fotografierst und präsentierst du zudem auch manchmal digital?

RL

Ja, ich fotografiere auch digital, inzwischen seit ungefähr zwanzig Jahren. Meine analoge fotografische Arbeit reicht von 1974 bis heute. Die digitale Fotografie ist also ebenfalls ein Teil meiner Praxis. Ein aktuelles Beispiel sind die rund 200 Aufnahmen der Sonnenfinsternis vom 12. August 2026.

Bei Analog Experience geht es jedoch ausdrücklich um die Projektion der Originaldias. Diese Aufnahmen werden für die Vorführung nicht digitalisiert, nicht mit einem Beamer gezeigt. Sondern mit klassischer Diaprojektion. Das Licht geht durch den Film, auf dem das Bild entstanden ist. Genau dieses Erlebnis möchte ich wieder zugänglich machen.

Parallel dazu zeige ich auch Vorträge meiner digitalen Bilder mit einem Beamer.

HG

Spielen Dunkelkammer-Arbeit und das klassische Print eine Rolle bei dir?

RL

Der Schwerpunkt meiner analogen Arbeit liegt auf dem Farbdia und seiner Projektion. Zu meinen Filmen gehörten Kodachrome 25 und 64 sowie Fujichrome Velvia. Das Dia ist das Original, das später auf der Leinwand erscheint.

Auch gerahmte Fotografien gehören zu meinen Präsentationsformen, etwa bei Ausstellungen. Die Betrachtung eines Bildes an der Wand ist eine andere Erfahrung als eine zeitlich gestaltete Bildfolge im dunklen Saal.

Früher habe ich Schwarzweissfilme selber entwickelt und vergrößert, danach habe ich viele Ausstellungsbilder auf Cibachromefotopapier selber vergrößert. Heute gebe ich meine Bilder an ein Fachlabor.

HG

Magst du uns die für dich entscheidenden Unterschiede zwischen digitaler und analoger Fotografie skizzieren?

RL

Für mich liegt der entscheidende Unterschied in der Arbeitsweise. Beim Dia muss das Bild bei der Aufnahme stimmen. Ich sehe das Ergebnis nicht auf einem Display. Ausschnitt, Belichtung und der Moment müssen vorher bewusst gewählt sein. Ein falsch belichtetes Dia kann ich für meine Originalprojektion nicht nachträglich retten.

Digital kann ich das Ergebnis unmittelbar prüfen und bei Bedarf erneut aufnehmen, solange die Situation noch besteht. Das ist praktisch und eröffnet Möglichkeiten, die ich ebenfalls nutze. Meine analogen Bilder entstanden dagegen ohne diese Kontrolle und ohne nachträgliche digitale Bearbeitung.

Diese Erfahrung hat mich gelehrt, vor dem Auslösen aufmerksam zu sein. Sie wirkt auch in meiner digitalen Fotografie weiter. Bewusstes Sehen hängt für mich nicht ausschließlich vom Aufnahmemedium ab.

Was den Reiz des Diafilms ausmacht

Surreal geschwungene, wellenartige Sandsteinformation aus Navajo-Sandstein, die vor rund 190 Millionen Jahren durch Wind und Wasser geformt wurde. (Coyote Buttes North , Paria Canyon-Vermilion Cliffs Wilderness, USA)

HG

Was fasziniert dich bis heute am analogen Diafilm?

RL

Mich fasziniert, dass ich ein fertiges Bild in der Hand halte. Ein Dia ist klein, und doch kann es auf einer großen Leinwand einen ganzen Raum mit seiner Bildwirkung füllen. Zwischen der Aufnahme und der Projektion besteht eine sehr unmittelbare Verbindung: Es ist derselbe Film, der das Licht aufgenommen hat und durch den heute das Projektorlicht fällt. Diese Verbindlichkeit ist ein wesentlicher Teil meiner Begeisterung für das Dia.

HG

Was kann der Diafilm aus deiner Erfahrung, das die digitale Fotografie nicht auf dieselbe Weise vermittelt?

RL

Es ist vor allem die Erfahrung des Originals. Bei meiner Projektion sieht das Publikum das Bild durch den ursprünglichen Film. Das Dia wird nicht erst in eine Datei verwandelt und elektronisch wiedergegeben. Für mich macht diese materielle Verbindung zur Aufnahme einen besonderen Reiz aus.

Auch die Betrachtung hat ihren eigenen Rhythmus. Ein Bild bleibt stehen, man kann Details entdecken, und durch eine Überblendung entsteht ein neuer Zusammenhang mit dem nächsten Bild. Das lässt sich grundsätzlich auch digital gestalten. Die Besonderheit meiner Dia-Vision liegt im Zusammenspiel von Originalfilm, optischer Projektion und einer bewusst entwickelten Bildfolge. Ich verstehe das als eine eigenständige Form der Fotokultur.

Die Magie der Projektion

HG

Viele Fotografien werden heute auf kleinen Bildschirmen mobiler Endgeräte betrachtet. Du bringst hingegen deine Bilder mit klassischen Leitz Pradovit-Diaprojektoren auf die große Leinwand. Unter beträchtlichem vorbereitendem Aufwand für dich. Was macht für dich den besonderen Zauber dieser Art der Präsentation aus? Welche Rolle spielt nach deiner Wahrnehmung das gemeinsame Erleben im Publikum?

RL

Ich arbeite mit vier Leica Pradovit RT-Projektoren und einer Leinwand von bis zu drei mal neun Metern. Zwei Projektoren bilden jeweils ein Überblendpaar. So kann ich zwei Bildfelder nebeneinander zeigen und weich zu den folgenden Bildern wechseln. Dazu kommen Leica-Pro-Projektionsobjektive mit 150 Millimetern Brennweite.

Der Aufwand beginnt lange vor der Veranstaltung: Dias auswählen, Reihenfolgen festlegen, Magazine bestücken und die Projektion abstimmen. Die Steuerung läuft über m.objects; auch die Audioabläufe sind dort hinterlegt. Dazu kommt mein Live-Kommentar, es gibt aber auch Passagen mit Musik und ohne Kommentar.

Vom einzelnen Dia zur erzählten Geschichte

HG

Ein guter Diavortrag ist vermutlich mehr als die Aneinanderreihung schöner Bilder. Wie entwickelst du aus deinen Fotografien eine zusammenhängende Dia-Vision so dass du das Publikum auf eine emotionale Reise mit nimmst?

RL

Richtig, eine Dia-Vision soll für mich mehr sein als eine Sammlung einzelner schöner Aufnahmen. Ich möchte eine Reise vermitteln und Stimmungen sichtbar machen. Bei der Toskana gehören deshalb Städte, Kunst und Landschaft zusammen.

Die Bildfolge braucht einen Rhythmus, in dem die einzelnen Aufnahmen wirken können. Musik und Kommentar gehören zur Gestaltung. In meinen Live-Vorträgen kann ich eigene Erlebnisse und Hintergründe erzählen; in anderen Passagen tragen die Bilder und die Musik die Erzählung.

Auch ein Panorama erweitert das Erzählen. Meine dafür verwendeten Aufnahmen habe ich überwiegend vom Stativ aus fotografiert und so gut wie möglich aufeinander abgestimmt. Auf der großen Leinwand entsteht daraus eine weite Landschaftsansicht.

HG

Wie findest du die richtige Bildfolge und die Geschichte die sie erzählt? Sind es Bilder, die du aus deinem Archiv so zusammenstellst, dass sie zu einer Erzählung werden? Oder hast du eine Geschichte im Kopf, die du dann erst fotografisch realisierst?

LR

Beides gehört zusammen. Meine Reisen und meine langfristigen Themen geben einen Rahmen vor. Die Toskana ist dafür ein gutes Beispiel: Ich kehre über viele Jahre zurück und sammle Bilder, die unterschiedliche Seiten einer Region zeigen. Die endgültige Auswahl für einen Vortrag entsteht später aus diesem Bestand.

Bei rund 80.000 Originaldias ist Auswahl ein wesentlicher Teil der Arbeit. Nicht jedes gute Einzelbild trägt auch eine Erzählung. Entscheidend ist, welche Bilder zusammen etwas vermitteln und wie sie aufeinander folgen.

Die Reaktion des Publikums

HG

Du hast über viele Jahre zahlreiche öffentliche Diavorträge und Multivisions-Shows gestaltet. Welche Reaktionen des Publikums sind dir besonders im Gedächtnis geblieben?

RL

Ich habe im Laufe der Jahre mehr als 400 Diavorträge und Multivisions-Vorführungen gestaltet. Das Publikum gehört für mich zu dieser Arbeit: Erst durch die gemeinsame Betrachtung wird aus meiner Auswahl einzelner Fotografien ein Erlebnis im Saal.

Das besondere Interesse der Besucher zeigt sich an den Raktionen nach dem Vortrag. Oft kommen Besucher zu mir und fragen mich nach Begebenheiten und erzählen eigene Erlebnisse. Das zeigt mir, daß ich damit genau deren Erwartungen getroffen habe.

HG

Gibt es Momente, in denen du spürst, dass deine Bilder, deine Geschichten, Menschen wirklich berühren? Vielleicht auch die Zuschauer, die selbst gar nicht mehr mit der klassischen Diafotografie aufgewachsen sind?

RL

Ich möchte mit meinen Bildern auch Menschen erreichen, die die klassische Diafotografie nicht aus eigener Erfahrung kennen. Dafür verwende ich den Namen Analog Experience. Er macht deutlich, dass es etwas zu erleben gibt: Originaldias, mehrere Projektoren und eine große Leinwand.

Junge Menschen entdecken die analoge Fotografie wieder, weil sie etwas bietet, das in der heutigen Smartphone-Welt zunehmend verloren geht: die bewusste Auseinandersetzung mit einem Motiv, die Freude am fotografischen Handwerk und die Erfahrung, dass ein Bild Zeit braucht. Bei einem Film mit 36 Aufnahmen muß man sich schon genau überlegen wie und welches Bild ich fotografiere. Das Fotografieren beginnt wieder vor dem Auslösen und nicht danach.Viele junge Leute wollen verstehen, wie ein Bild entsteht und sie wollen selber entscheiden, wie und wann ich auslöse. Das Handwerk wird wieder neu gelernt. Das befriedigt den Fotografen sehr viel mehr, wenn er nach einigen Tagen des Wartens, seinen Film zurückbekommt und er seine Bilder betrachten und begutachten kann. Das Spannungsfeld zwischen Aufnahme und dem Ergebnis trägt zu einer besonderen Entschleunigung des Fotografierens bei.

Daneben verstehen viele junge Menschen, welche großartigen Bilder man mit reduzierter Schärfentiefe fotografieren kann und man Bildgestalterisch einsetzen kann.

Wie begeistern wir die nächste Generation

HG

Viele jüngere Menschen kennen Diafilme und klassische Diaprojektoren allenfalls noch aus Erzählungen. Wie könnte man sie für diese Form der Fotografie gewinnen? Was würdest du einem jungen Menschen empfehlen, der heute mit der analogen Fotografie beginnen möchte?

RL

Ich würde jungen Menschen zuerst die Möglichkeit geben, eine solche Projektion selbst zu erleben. Wer nur von einem Diaprojektor gehört hat, kann sich die Wirkung von vier Projektoren auf einer großen Leinwand schwer vorstellen. Ein Blick auf die Technik und auf ein einzelnes Dia kann dabei den Zugang erleichtern.

Für den Einstieg in die analoge Fotografie wäre mein Rat: mit einer überschaubaren Ausrüstung beginnen und sich Zeit für das Sehen nehmen. Ein begrenzter Filmvorrat lädt dazu ein, vor jeder Aufnahme zu überlegen, was das Bild eigentlich zeigen soll. Gerade beim Dia lernt man viel über Belichtung und Licht.

Die eigene Bildidee ist wichtiger als eine große Ausrüstung. Man kann mit einem vertrauten Motiv anfangen und beobachten, wie es sich mit dem Licht verändert.

HG 

Was müsste nach deiner Ansicht geschehen, damit die klassische Dia-Vision auch in Zukunft ein lebendiger Teil der Fotokultur bleibt?

RL

Die klassische Dia-Vision muss natürlich vorgeführt werden, damit sie lebendig bleibt. Es reicht nicht, Kameras und Projektoren als Erinnerungsstücke aufzubewahren. Menschen müssen sehen können, was mit ihnen möglich ist. Dazu gehören öffentliche Veranstaltungen und auch Gelegenheiten, die Technik kennenzulernen.

Ebenso wichtig ist, das Wissen weiterzugeben: Wie werden Dias ausgewählt und in Magazine eingeordnet? Wie entsteht eine Überblendung? Wie stimmen Bildfolge und Musik zusammen? Diese Fähigkeiten gehören zur Präsentationsform.

Ein Bestand originaler Dias bewahrt Bilder, aber erst eine gestaltete Vorführung macht die Dia-Vision erfahrbar. Darin sehe ich eine Aufgabe für Fotografen, Veranstalter und fotografische Gemeinschaften.

Ein Blick nach vorn

Berghütte des Naturbundes Island (Pörsmörk, Island)

HG

Was möchtest du mit deinen Diavorträgen künftig noch erreichen? Gibt es ein Projekt, eine Reise oder eine Bildidee, die du unbedingt verwirklichen möchtest? 

RL

Mit Analog Experience möchte ich die klassische Dia-Überblendprojektion einem heutigen Publikum näherbringen und auch jüngere Menschen erreichen. Meine Toskana-Vorträge setzen diesen Gedanken fort. Ein weiteres Projekt ist Faszination Berge, dessen Premiere am 10. Dezember 2026 bei der Leica Camera AG in Wetzlar geplant ist. Hier kommen meine langjährige Bergsteigererfahrung und meine Fotografie zusammen.

Mich interessiert, Bilder in einer Form weiterzugeben, die ihnen Zeit und Raum lässt. Der Vortrag ermöglicht das auf besondere Weise.

HG

Was wünscht du dir für die Zukunft der analogen Fotografie? Insbesondere im Hinblick darauf, dass  Bilder jederzeit und überall digital verfügbar sind?

RL

Ich wünsche mir, dass analoge Fotografie weiterhin praktiziert und ihre Präsentationsformen weitergegeben werden. Die digitale Verfügbarkeit von Bildern ist selbstverständlich geworden. Gerade deshalb kann es reizvoll sein, einen Film bewusst zu belichten, auf das Ergebnis zu warten und später das Original zu betrachten.

Für meine Dia-Vision wünsche ich mir neugierige Zuschauer und Menschen, die diese Form der Bildgestaltung weiterführen. Es geht dabei um Aufmerksamkeit: für das Licht bei der Aufnahme und für das Bild bei der Betrachtung.

Wenn jemand nach einer Vorführung Lust bekommt, genauer hinzusehen oder selbst mit Film zu fotografieren, wäre das für mich ein schönes Ergebnis. Meine Arbeit soll dazu einladen, sich Zeit für Bilder zu nehmen.

HG

Vielen Dank Robert, dass du uns interessante Einblicke in deine Arbeit als Fotograf gegeben hast. Und dass du mit deinen Gedanken dem lebendigen Dia wieder einen Impuls gibst.

Analog Experience: Dia-Visionen von Robert Lamprecht

Toskana – Siena und Florenz
1. November 2026 – 16:00 Uhr
Stadthalle, Idstein

Faszination Berge (Premiere)
10. Dezember 2026 – 18:30 Uhr
Leica Camera AG, Ernst Leitz Museum, Wetzlar

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