Der neue Plustek OpticPro A390

Es tut sich was in der Scanner-Nische

Von Marwan El Mozayen / SilvergrainClassics

Hand aufs Herz: Wann habt ihr euch zuletzt auf einen neuen Flachbettscanner gefreut? Wahrscheinlich ist das eine Weile her. Während Film, Fotopapier und selbst historische fotografische Verfahren wieder erstaunlich lebendig sind, sah es bei Scannern lange eher nach Rückzug aus. Modelle verschwanden, Epson zog sich aus dem Segment zurück, und wer heute etwas Spezielleres sucht, landet schnell bei 15 oder 20 Jahre alten Gebrauchtgeräten.

Deshalb finden wir ziemlich spannend, was gerade bei Plustek passiert.

Mit dem OpticFilm 120 (inklusive der professionellen Scanner-Software SilverFast Ai Studio 9) und der komplett überarbeiteten Version des OpticFilm 135i hat Plustek sein Angebot klassischer Filmscanner ausgebaut. Jetzt kommt mit dem OpticPro A390 ein weiterer Spezialist hinzu. Diesmal allerdings sozusagen für das fertige Bild.

Der A390 ist ein A3-Flachbettscanner – und entsprechend groß fällt er auch aus. Unser erster Eindruck beim Auspacken: groß, schwer und äußerst solide gebaut. Für Fotografen gibt es allerdings gleich eine wichtige Einschränkung: Der A390 hat keine Durchlichteinheit. Negative und Dias lassen sich damit nicht scannen. Wer also auf einen neuen A3-Flachbettscanner für 4×5- oder gar 8×10-Negative wartet, muss weiter warten. Trotzdem ist der A390 für die analoge Fotografie interessanter, als es zunächst vielleicht klingt.

Wenn der Print das Original ist

Wer selbst in der Dunkelkammer arbeitet, kennt das Problem. Ein sorgfältig ausgearbeiteter Barytabzug ist eben nicht einfach nur eine Wiedergabe des Negativs. Abwedeln, Nachbelichten, Gradation, Papier und eventuell eine Tonung bestimmen das fertige Bild. Will man genau diesen Print digitalisieren, hilft ein Scan des Negativs nur bedingt.

Noch eindeutiger ist das bei Verfahren, bei denen ein Unikat entsteht. Eine Kollodium-Nassplatte ist ein gutes Beispiel. Beschichtung, Kanten und kleine Unregelmäßigkeiten gehören zum fertigen Bild und damit zum Original.

Das gilt in unterschiedlicher Form auch für Cyanotypien sowie Platin- und Palladiumdrucke. Und natürlich für das Dye-Transfer-Verfahren, eines der aufwendigsten analogen Edeldruckverfahren überhaupt. Gerade bei solchen Arbeiten geht es bei der Digitalisierung darum, die Eigenschaften des tatsächlich vorhandenen Prints möglichst gut zu erfassen.

Hier wird das A3-Format interessant. Ein 30 × 40 cm großer Fine-Art-Abzug ist schließlich nichts Ungewöhnliches. Wer größere Prints bisher in mehreren Teilen gescannt und anschließend wieder zusammengesetzt hat, weiß eine entsprechend große Scanfläche zu schätzen.

Was wir ausprobieren wollen

Natürlich ist der A390 nicht ausschließlich für Fotografen gedacht. Dokumente, Zeichnungen, Grafiken und andere große Aufsichtsvorlagen gehören ebenso zu seinem Einsatzgebiet. Uns interessiert aber vor allem, wie er sich mit fotografischen Originalen schlägt. Wir werden deshalb unter anderem Fine-Art-Abzüge aus dem Fotolabor, Nassplatten, Cyanotypien und andere Edeldruckverfahren ausprobieren. Dabei wollen wir sehen, wie gut feine Tonwertunterschiede und tiefe Schatten erfasst werden, wie der Scanner mit unterschiedlichen Papieroberflächen umgeht und wie präzise Farben wiedergegeben werden.

Einen ersten schnellen Scan haben wir bereits mit der im Lieferumfang enthaltenen Standardsoftware gemacht. In den nächsten Tagen werden wir uns mit der für den A390 angepassten Scan-Software SilverFast von LaserSoft Imaging genauer beschäftigen. Diese muß allerdings extra erworben werden.

Und was kommt danach?

Interessant finden wir auch, dass Plustek sein Scannerangebot offenbar Schritt für Schritt erweitert. Neben den klassischen Filmscannern steht nun ein großer Flachbettscanner für Aufsichtsvorlagen. Aus Sicht der Analogfotografie bleibt allerdings eine ziemlich offensichtliche Lücke: ein aktueller großer Flachbettscanner mit einer guten Durchlichteinheit.

Früher gab es dafür Geräte wie den Agfa DuoScan, der Aufsicht und Durchsicht sehr praxisgerecht miteinander verbunden hat. Oder bis vor etwa einem Jahr noch den Epson Perfection 850 Pro. Ein heutiges Gerät nach diesem Prinzip, mit dem sich neben Prints auch Mittel- und Großformatnegative scannen ließen, wäre sicher ein eher hochpreisiges Produkt. Interessenten dürfte es dafür aber geben.

Ob Plustek in diese Richtung denkt, wissen wir nicht. Der A390 ist jedenfalls ein interessantes Zeichen dafür, dass der Scannermarkt noch nicht ganz eingeschlafen ist.

Wir werden uns das Gerät jetzt erst einmal mit den Vorlagen ansehen, die uns wirklich interessieren: gute Dunkelkammerprints, Nassplatten und alternative fotografische Verfahren.

Mehr dazu, wenn wir einige davon gescannt haben.

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