Die Imaging World 2026 hat das Potenzial der analogen Fotografie nur teilweise genutzt.
Warum Köln 2027 mehr bieten muss als eine Sonderecke.
Von Marwan El Mozayen / SilvergrainClassics
Die Imaging World 2026 in Nürnberg ist vorbei. Rund 14.800 Besucher, mehr als 120 Marken und Aussteller und etwa zehn Prozent Wachstum gegenüber dem Vorjahr sind Zahlen, die sich durchaus sehen lassen können. Das ursprünglich angepeilte Ziel von 16.000 Besuchern wurde zwar nicht ganz erreicht, doch angesichts eines Kameramarktes, der seit Jahren mit rückläufigen Stückzahlen kämpft, darf man das Ergebnis durchaus als positives Signal verstehen.
Für uns waren diese Zahlen allerdings nicht das eigentlich Interessante. Wir waren mit SilvergrainClassics selbst als Aussteller vor Ort, gemeinsam mit der SilverBridges GmbH. Und natürlich hatten wir etwas ganz Besonderes dabei: In unserem Schaukasten stand Jeff Bridges’ neue WideluxX mit der Seriennummer 0003.
Damit war ziemlich klar, aus welcher Perspektive wir auf diese Messe schauen würden: analog.
Analog auf einer weitgehend digitalen Messe

Wie bereits im vergangenen Jahr hatten die Veranstalter einen eigenen Bereich für analoge Fotografie vorgesehen. Das ist zunächst einmal ausdrücklich zu begrüßen. Denn die analoge Fotografie ist längst nicht mehr nur eine nostalgische Randerscheinung innerhalb der Fotobranche.
ADOX war mit dem größten Stand im analogen Bereich vertreten. In seinem Umfeld fanden sich unter anderem Negative Supply, AGO Film Processor, JOBO und Plustek Technology GmbH mit der LaserSoft Imaging AG auf einem gemeinsamen Stand. Ebenso waren Dienstleister wie Safelight Berlin OHG vertreten. Einige der ganz großen Namen fehlten allerdings. Kodak beispielsweise war nicht mit einem eigenen Stand vertreten.
Für uns war gerade die räumliche Nähe vieler Unternehmen aus dem analogen Bereich sehr wertvoll. Im B2B-Bereich bot die Imaging World 2026 genau das, was eine Messe bieten sollte: die Möglichkeit, sich persönlich zu treffen, Kontakte zu vertiefen, Gespräche zu führen und Ideen auszutauschen. Ein enormer Mehrwert dieser Messe, welchen Videokonferenzen, E-Mails und soziale Medien eben nicht ersetzen können.
Die Veranstalter hatten sich zudem sichtbar große Mühe gegeben, unter den heutigen Bedingungen eine funktionierende Fotomesse auf die Beine zu stellen. Man muss dabei realistisch bleiben: Die üppigen Budgets, mit denen früher Aussteller für große Fotomessen ausgestattet waren, gibt es schon lange nicht mehr.
Dennoch, aus der analogen Perspektive kann eine kritische Betrachtung dieser Messe nicht ausbleiben.
Die analoge Fotografie braucht mehr Raum

Dass die Veranstalter dem analogen Bereich überhaupt einen eigenen Platz eingeräumt haben, zeigt, dass sie seine wachsende Bedeutung erkannt haben. Aber genau hier hätte man unserer Meinung nach noch deutlich weitergehen können.
Wer kurz zuvor eine rein analoge Veranstaltung wie die Analog Art Affair erlebt hat und anschließend auf eine weitgehend digital geprägte Fotomesse kommt, spürt den Unterschied unmittelbar. Die analoge Szene besitzt inzwischen eine erstaunliche Eigendynamik. Da wird entwickelt, gebaut, restauriert, experimentiert, gezeigt wie Film gegossen wird, gedruckt, gescannt und mit historischen wie neuen Verfahren gearbeitet. Vor allem aber geht es ständig ums Machen.
Auf der Imaging World 2026 standen die analogen Aussteller dagegen relativ eng beieinander. Wie auch schon auf dieser Messe im Jahr zuvor. Wir hätten uns hier nicht nur mehr Fläche gewünscht, sondern vor allem mehr Aktivität. Versprochen war uns genau das von der Messeleitung in den Vorbesprechungen. Allein, die Botschaft kam nicht an. Schade.
Analogfotografie eignet sich geradezu perfekt für eine Messe: Die spannende Nassplattenfotografie demonstrieren; zeigen was trotz Lichtmessung in der Kamera einen zusätzlichen Handbelichtungsmesser ausmacht; ein analoges Print in der Dunkelkammer entstehen lassen, über das Verhalten unterschiedlicher Filme referieren; Großformatfotografie lebendig werden lassen. Und warum nicht eine echte analoge Diashow mit dem klassischen Diaprojektor installieren, der brillante Farben auf eine riesige Leinwand zaubert. Allein das hätte sicher zu einem Publikumsmagneten avanciert, mit Nachwirkung bei Fotoenthusiasten. Hören, Sehen, Anfassen und Erleben wäre angesagt gewesen.
Auf einer Bühne dabei zuzusehen, wie Bilder mit einer Bildbearbeitungssoftware bearbeitet werden, kann für den entsprechenden Anwender durchaus informativ sein. Aber als Messeerlebnis hätte die analoge Fotografie weitaus mehr zu bieten, das sich vor einem Bildschirm kaum vermitteln lässt.
Menschen bauen Dinge – Hornbach zeigt wie

Wie viel Potenzial in genau diesem Ansatz steckt, zeigte ausgerechnet Hornbach. Ja genau, der bekannte Baumarkt ist gemeint.
Dort stand eine voll funktionsfähige 35-mm-Filmkamera in der Größe eines Kleintransporters, gebaut weitgehend aus Dingen, die man bei Hornbach kaufen kann. Metallboxen bilden den Kamerakörper, Wasserrohre und Vergrößerungsgläser wurden zu Objektiven, eine aufgeschnittene Biomülltonne dient als Gegenlichtblende – und für den Filmtransport sorgt tatsächlich ein Betonmischer.
Das Verrückteste daran: Die Kamera ist kein Gag und kein reines Ausstellungsstück. Sie funktioniert. Mit ihr wurden Filme für die aktuelle Hornbach-Kampagne gedreht.
Für uns war das eines der Highlights der Messe. Nicht weil daraus morgen ein neues Kamerasystem entstehen wird, sondern weil dieses Projekt etwas verkörpert, das die analoge Fotografie momentan so spannend macht: Menschen bauen wieder Dinge. Sie experimentieren, tüfteln, verstehen Mechanik und Optik und probieren aus, was möglich ist.
Mehr machen hätten wir uns auf der Imaging World 2026 an noch viel mehr Stellen gewünscht. Denn wenn eine funktionierende 35-mm-Filmkamera aus ganz gewöhnlichen Baumarktmaterialien entstehen kann, ist das doch ein sicheres Indiz dafür, das die Analog-Community von Interaktivität lebt.
Nächster Halt: Köln

2026 war zugleich die letzte Imaging World in Nürnberg. Ab 2027 zieht die Veranstaltung nach Köln und wird dort gemeinsam mit der koelnmesse als Imaging World inspired by photokina weitergeführt. Ein großer Name will sich mit hoher Erwartungshaltung verbinden.
Die photokina war über 70 Jahre der internationale Treffpunkt der Fotobranche. Natürlich lässt sich die damalige Messewelt nicht einfach zurückholen. Die Industrie, die Märkte haben sich verändert. Die Art, wie Menschen Fotografie erleben und Produkte entdecken, ist heute eine völlig andere.
Bei einer neuen Fotomesse in Köln auf die digitale Gegenwart schauen – ja klar. Aber Analog als einen eigenständigen Markt wahrnehmen und dem gerecht werden ist angesagt, mit seinen Herstellern, neuen Produkten, Dienstleistungen und vor allem einer sehr aktiven Community. Neue Kameras entstehen, alte Produktionsverfahren werden wiederbelebt, Unternehmen investieren in Film und Fotochemie. Eine neue Generation entdeckt Dunkelkammer, Sofortbild, Großformat und mechanische Kameras.
Wir haben das bei uns am Stand hautnah erlebt, wir erleben es jeden Tag bei SilvergrainClassics, insbesondere bei der Entwicklung der WideluxX.
Natürlich mag ein Fotograf, der ausschließlich digital arbeitet, die Imaging World 2026 ganz anders erlebt haben. Wir kommen aus der analogen Fotografie, und entsprechend schauen wir auch durch genau diese Brille auf die Messe. Unser Wunsch für Köln 2027 ist deshalb ziemlich einfach:
Gebt Analog mehr Raum – macht etwas daraus

Stände aufstellen und nett dekorieren reicht nicht. Machen ist angesagt: Film belichten, entwickeln, projizieren, Kameras öffnen, Verfahren zeigen und Menschen ausprobieren lassen. Die analoge Fotografie bietet gerade hier mehr als genug Potential; die Analog Art Affair hat’s vorgemacht.
Wenn die Imaging World 2027 tatsächlich in die Fußstapfen der photokina treten will, liegt hier eine große Chance. Die analoge Fotografie braucht heute keine nostalgische Sonderecke mehr. Sie ist längst zu einem lebendigen und eigenständigen Teil der Fotoindustrie geworden. Sie verdient es, so gesehen und in Köln auch so behandelt zu werden.
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