In Köln schlägt das Herz für die analoge Fotografie
Von Marwan El Mozayen / SilvergrainClassics
Zum zweiten Mal fand in der Domstadt Köln die Analog Art Affair statt. Von den drei Enthusiasten Jakub Kaliszewski (Kuba), Ben Hammer und Lenard Kroj (Lenny) ins Leben gerufen und vorbildlich organisiert. Eine Veranstaltung, die ganz der analogen Fotografie gewidmet ist. Gedacht für Menschen, die analog nicht nur als Geschäftsmodell betrachten, sondern es selbst leben und Teil dieser analogen Identität sind. Das spürte man auch dieses mal wieder deutlich.

Fotos: Peer Heinig
Kreative Menschen die zusammen die Zukunft unserer Branche ausmachen
Schon das Ambiente passt perfekt: alte, hervorragend restaurierte und umgestaltete Industriegebäude, die eine ideale Bühne für Film, Kameras, Prints und Fotografie bieten. Aber was die Analog Art Affair wirklich ausmacht, ist die besondere Melange ihrer Aussteller und Besucher. Sie bringt Hersteller, kreative Künstler, Dienstleister und junge Firmen zusammen. Darunter durchaus namhafte, mittelständische Unternehmen, bei denen analog seit Jahrzehnten zum Kerngeschäft gehört. Analog-Enthusiasten eben, die für die Zukunft unserer Branche bestens aufgestellt und von entscheidender Bedeutung sind. Und das nicht etwa jeder für sich in seinem eigenen Kosmos, sondern ganz klar miteinander.

Fotos: Peer Heinig
Besonders spannend war beispielsweise der große Stand von Optik Oldschool GmbH & Co. KG, an dem sich alles rund um die Filmherstellung drehte. Die Nachfolger von Heiland electronic waren ebenso dabei wie alteingesessene Größen: Kienzle Phototechnik, JOBO, HALBE-Rahmen GmbH und ILFORD Imaging. Die Stimmung über den gesamten Tag war einfach genial.

Foto: Peer Heinig
Eine völlig neu konstruierte Analog-Kamera erstmals zum Anfassen
Das war schon eine echte Premiere: Zum ersten Mal konnte man in Deutschland die neue WIDELUX•X bestaunen. Nach einem ganzen Tag vollgepackt mit Fachvorträgen unterschiedlichster Art, gegen Abend schließlich der magische Moment: The Dude himself, Jeff Bridges, wandte sich mit einer persönlichen Videobotschaft direkt an die analoge Community. Er sprach über das WIDELUX•X-Projekt und darüber, wie begeistert er war, von dieser Veranstaltung und der analogen Community in Köln zu erfahren.

Fotos: Hermann Groeneveld / SilvergrainClassics
So muss es sein, um zu begeistern
Wir von SilvergrainClassics haben bei keiner Veranstaltung zuvor jemals so viele Magazine an unserem Stand verkauft. Nach ungefähr zwei Stunden waren wir komplett ausverkauft. Andere Ausstellern hatten ähnliches zu berichten.
Menschen kamen nicht nur, um sich etwas anzuschauen. Sie waren interessiert, stellten Fragen, diskutierten, kauften Produkte, entdeckten neue Anbieter und wollten wissen, was in der analogen Welt gerade passiert.
Erst vor Kurzem war ich in Los Angeles auf der Cine Gear. Dort kam mir der Gedanke: Wow. Genau so muss eine Veranstaltung sein, wenn man Menschen wirklich begeistern will. Diese Energie, diese Mischung aus Industrie, Kreativen und Menschen, die einfach für das Thema brennen – genau das ist es, was ich bei Veranstaltungen in Deutschland oft vermisst habe.
Eine legitime Nachfolgerin der Photokina

Foto: Peer Heinig
Wer die alten Photokina-Zeiten noch kennt, konnte etwas von diesem Spirit wieder erkennen – und trotzdem fühlte es sich nicht wie eine nostalgische Wiederholung an. Es war etwas vollkommen Neues.
Nach dem Ende der Photokina gab es viele Versuche, einen neuen zentralen Messestandort für Fotografie in Deutschland zu etablieren. Nach diesem Wochenende ist unser Eindruck ziemlich eindeutig:
Es ist nicht Hamburg. Nicht Berlin. Nicht Düsseldorf und nicht Nürnberg. Deutschlands analoges Fotoherz schlägt in Köln. Es hat wohl nie aufgehört dort zu schlagen.
Deshalb: Hut ab vor den Veranstaltern. Was hier auf die Beine gestellt wurde, war wirklich etwas Besonderes. Und wir gehen sogar noch einen Schritt weiter: So, wie wir die Analog Art Affair erlebt haben, kann sie durchaus als legitime analoge Nachfolgerin der Photokina betrachtet werden. Natürlich in wesentlich kleinerem Maßstab – aber mit genau der Energie und Begeisterung, die eine solche Veranstaltung braucht.
Auch das hat sicher mit zum Erfolg beigetragen: Der Eintritt war frei.
Die großen Fotomarken dürfen Köln nicht länger ignorieren

Foto: Peer Heinig
Natürlich wünschen wir uns und dem Organisations-Team, dass die Analog Art Affair erhalten bleibt und freuen uns schon jetzt auf die nächste Ausgabe in einem Jahr. Diesmal haben bedauerlicher Weise ein paar große Namen gefehlt, allen voran ADOX, Kodak und Leica. Das muß im nächsten Jahr anders werden. Denn Köln wird längst als Treffpunkt der analogen Fotowelt wahrgenommen – somit gehören auch die schmerzlich Vermissten genau dorthin.
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