Im Interview mit Antonino Zambito

Antonino Zambito ist Fotograf, Dozent, Buchautor und Fotoladenbesitzer. Antonino Zambito aus Stuttgart. Heute im Interview erzählt er uns etwas über seine Arbeit und seine Leidenschaft für die analoge Fotografie.
Photo: A. Zambito

Hallo Antonino. Freut mich, dass du dir Zeit genommen hast für ein Interview. Würdest du dich bitte unseren Lesern vorstellen und etwas über deinen beruflichen Werdegang erzählen!

Hallo Payam. Mich freut es, dass du mich interviewen willst. Wie soll ich mich jetzt groß vorstellen und meinen Werdegang erzählen? Ich versuche es mal mit der Kurzfassung. Ich habe im Alter von 6 Jahren die Kamera meines Vaters annektiert, habe die Foto AG besucht, arbeite als Fotograf, habe Kurse zur Fotokunst gegeben, hieraus sind auch zwei Künstlergruppen entstanden und durfte sogar Bücher zur Fotografie schreiben. Du siehst, ich tue mich etwas schwer damit über mich zu reden. Vielleicht wird es mit den anderen Fragen besser.

 

Du hast eine große Faszination für die analoge Fotografie und das Medium Film. Was ist für dich das Besondere daran und woher kommt diese Leidenschaft ?

Für mich ist das Fotografieren auf Film die einzige Form des Lichtzeichnens. Digitale Apparate betrachte ich eher als mobile Scanner. Für den Job gut aber nicht fürs Herz. Der fotografische Film gibt mir die Freiheit die Welt so zu zeigen wie ich sie sehe und nicht wie ein Ingenieur sie eingestellt hat. Ich möchte, dass das Licht die Silberhalogenide im Film berührt und nicht ein Algorithmus mein Bild berechnet. Film ist auch das Zukunftssicherste Medium. Ich kann jederzeit mit Taschenlampe und Vergrößerungsglas ein Bild projizieren. Ich kann auch immer mit der aktuellsten Technik meine Filme digitalisieren. Ob ich aber ein digitales Bild in 50 Jahren auslesen kann ist nicht sicher. Ich habe jetzt bereits CD‘s und DVD‘s die ich nicht auslesen kann. Auch hat mein Computer kein optisches Laufwerk mehr. Meine Bilder auf irgendwelche Server in der Cloud zu laden gefällt mir auch nicht. Stichwort Datenklau, Viren und Nutzungsrechte. Ich habe meine Bilder lieber bei mir zu Hause. Negative werden selten geklaut. Kameras und Computer inkl. externe Festplatten schon eher.

 
Photo: A. Zambito

 

 

 

In letzter Zeit hört man oft das über Comeback des Films und die analoge Fotografie. Wie siehst du die Entwicklung und hat dies eine Zukunft oder ist es nur ein „Kurzes Aufflammen“?

Gibt es ein Comeback der Malerei? Film gibt es schon sehr lange und wird es immer geben. Wenn die großen Filmproduzenten irgendwann einmal ihre Tätigkeit einstellen sollten, werden kleine Firmen die Herstellung übernehmen. Es gibt doch viele Menschen, die mit alten Techniken wie beschichtete Glasplatten fotografieren. Für mich ist dieses Thema blödsinnig. Die Analoge Fotografie oder besser gesagt die Fotografie wird es immer geben – mal mit mehr und mal mit weniger Begeisterten.

Worum geht es in deinem  Buch think analog ?
Bei Think Analog stelle ich zum einen verschiedene Systeme und Hersteller vor, zeige aber auch kreative Techniken die man leicht umsetzen kann. Es soll Einsteigern Appetit machen kreativ zu arbeiten und alte Hasen können in Erinnerungen schwelgen. Mich haben schon einige Leser angeschrieben oder sind bei mir im Laden vorbeigekommen um mir zu sagen, dass sie ihre alte Kamera oder die vom Opa oder Oma, die im Schrank lag, herausgeholt haben um mal wieder einen Film oder sogar zum ersten Mal einen Film zu belichten. Diese Begeisterung, die die Menschen beim Fotografieren mit analogem Material an den Tag legen, sieht man nicht bei den „Umgbungsscannern“.

Beruflich musst du viel digital arbeiten. Wann hast du zeit für die analoge Fotografie ?

Wenn ich Urlaub mache. Natürlich auch wenn der Kunde für Fotografie auf Film bezahlt.

 

Welche sind deine Lieblingskameras und Filme und warum ?

So etwas habe ich nicht. Für mich sind Kameras und Filme Werkzeuge die ich passend zum Projekt oder zum Auftrag auswähle. Meiner Meinung nach wird viel zu viel über die Technik gesprochen und zu wenig über das Bild. Das Bild ist aber letztendlich die Fotografie. Der Grund warum wir das machen. Der Fotograf, die Fotografin macht das Bild. Nicht dieser leblose Kasten. In der Malerei gibt es doch auch nicht die Frage welcher Pinsel verwendet wurde. Da würde auch keiner auf die Idee kommen zu sagen dein Pinsel malt aber schöne Bilder.

 

Ich weiß, dass du auch eine Vorliebe für das Sofortbild hast. Wie siehst du hier die Entwicklung der letzten Zeit mit den neuen Kameras, die den Markt gekommen sind?

Ich finde es sehr spannend was hier passiert. Für jeden ist etwas dabei. Für die Schnappschussknipser genauso wie für die Künstler. Auch das Zubehör, welches man dazu bekommt ist wunderbar. Interessant finde ich, dass man diese Apparaturen auch in Modehäusern bekommt, die ja traditionell nichts mit Fotografie zu tun haben.

Photo: A. Zambito
Gibt es den Pola-day noch ?
Ich habe ihn jetzt nach Jahren des Kampfes eingestellt. Das Interesse war zu gering. Auch hat es nicht wirklich Unterstützung seitens der Industrie gegeben. Die drei großen Produzenten von Kameras und Film haben es an Enthusiasmus für die Sache fehlen lassen. Es ist auch nicht wirklich möglich Konkurrenten zum Zusammenarbeiten zu bewegen. Letztendlich, das habe ich bitter erfahren müssen, ist es für die Betriebswirte nur ein Geschäft.
Photo: A. Zambito
Du bist vielseitig beschäftigt. Kaufmann, Dozent, Autor. Nun hast du auch ein eigene Kameragurt-Linie herausgebracht. OCTOPUS ORIGINAL .  Erzähl uns etwas über die Idee und seine Entstehung.
Die Kameragurte, die ich davor hatte, waren mir entweder zu dominant, nicht durchdacht oder auch zu billig gemacht. Als ich zum Beispiel am türkisch, griechisch, bulgarischen Grenzgebiet fotografierte, hatte ich einen Ledergurt an der Kamera, der war zwar sehr bequem war, allerdings einen breiten Schweißrand auf meinem Shirt verursachte. Das war ziemlich unangenehm. Ich habe dann Handgemachte Modelle aus Japan ausprobiert. Das Schweißproblem war zwar behoben, aber ich habe ständig gemerkt, dass ich einen Kameragurt umhatte. Auch nicht zufriedenstellend. Eine Lösung musste her und somit habe ich meine Seemannskenntisse genommen und Gurte entwickelt die extrem flexibel, sicher, unauffällig, bequem und chic sind. Es gehört nämlich mehr dazu einen guten Gurt zu machen als einfach nur Leder an die Enden zu nähen. Die einen brauchen 5 Minuten für einen Gurt und ich bin bis zu 2 Stunden beschäftigt. Ich mache oft auch Sonderanfertigungen, alles von Hand und alles mit Seemannstechniken.

Hast du einen ratschlag oder Tipps  für Anfänger in der analogen Fotografie ?
Blende, Zeit, ISO – der Rest ist sehen, denn das Bild macht der Mensch und nicht das Equipment.

Ich danke dir herzlich für das Interview und deine Mitwirkung .

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