Die Mobile Dunkelkammer

Ein Bericht von Sabine Alex, Berlin 19.10.2015

Gestern erhielt ich eine Anfrage, von Hans-Jürgen von analog4you, einen kleinen Bericht über die Mobile Dunkelkammer und mein Atelier in Berlin zu schreiben.
Ich willigte sofort ein. Nun überlege ich, was euch als Neueinsteiger in die analoge Fotografie, als das Jungvolk sozusagen – in der Wissenschaft seid ihr übrigens die „digital natives“ – , wohl am meisten an meinem Projekt der Mobilen Dunkelkammer interessieren könnte, oder welche Fragen ihr an mich hättet.
Ich für meinen Teil falle gerade noch in die Zielgruppe von analoge4you. Mit meinen 29 Jahren teileich aber genauso die Leidenschaft des Analogen, den Reiz am Einzigartigen und vor allem liebe ich es, etwas abseits vom schnellen Alltagstrubel mit meinen Händen zu schaffen – das erste eigene Bild entwickeln – wow!

Ich erzähle euch also meine Geschichte – wieso-weshalb-warum Mobile Dunkelkammer.
Ich habe Kunst und Geschichte auf Lehramt in Dresden studiert. Während meines Studiums und vor allem 2010 zum Ende hin, hatte ich immer mehr das Gefühl zwar das Unterrichten als solches zu mögen, aber nicht so Recht in den Beruf des Lehrers zu passen. Ich suchte nach einer Alternative, bei der ich zwar Unterrichten, aber im Prinzip nur das Unterrichten konnte, was nicht nur meine Schüler, sondern auch mich interessierte.
In diesem Jahr hatte ich schon mein eigenes Atelier in einer tollen Ateliergemeinschaft mit Kommilitonen in Dresden-Bühlau und natürlich in einem kleinen Raum ohne Fenster meine erste eigene Dunkelkammer eingerichtet. Ich verbrachte Stunden darin – erste Abzüge, Fotogramme, Chemiegramme, Lochkamera-Fotografien… und die Zeit spielte keine Rolle. Die Vorfreude auf das eigene Bild, was in der Entwickler-Schale langsam erscheint, war für mich das Größte (und so ist es noch heute).
Atelier_Dunkelkammer_Foto_Sabine_Alex
Für das Fotofestival F/STOP in Leipzig habe dann im gleichen Jahr ich eine Dunkelkammer aufgebaut und Fotogramme mit den Teilnehmern hergestellt. Das war die Geburt der Idee der Mobilen Dunkelkammer. Ich wollte eine Dunkelkammer, die zu den Menschen kommt. In einer Zeit in der Dunkelkammern an Schulen verschwinden und man in manchen deutschen Städten nicht mal mehr einen Schwarz-Weiß-Film bekommt, quasi eine kleine Revolte!
Um die Idee der Mobilen Dunkelkammer zu starten zog es mich nach Abschluss meines Ersten Staatexamens in die Hochburg der analogen Fotografie nach Berlin. Denn hier gab es sie noch bzw. gibt es sie wieder – die analogen Labore, die Shops für analogen Fotografie, die analog arbeitenden Künstler, Fotografen und Projekte, die Studiengänge und vieles mehr. Ich arbeitete für verschiedene analoge Labore und Projekte, bis ich mich dann 2013 mit der Dunkelkammer in die Selbstständigkeit wagte. Ich schaffte mir quasi meine eigene Dozentenstelle, welche meine Leidenschaft für die Fotografie mitmeiner pädagogischen Ausbildung verknüpfen sollte. Die erste Zeit war ich noch mit einem lichtdichten Zelt, welches flexibel auf-und abgebaut werden konnte, unterwegs. Damit kam ich sogar bis nach Basel.
Kurt_und_Sabine_Foto_Claudia_Jürgens
Ein großer Meilenstein und eine echte Erleichterung war es allerdings, als Kurt – mein Mobile-Dunkelkammer-Bus in mein Leben gerollt ist und mit dem ich seitdem durchs Land fahre und Workshops für Schulen, Festivals, Museum und vieles mehr anbiete.
Als nächstes kam das eigene Labor vor gut einem Jahr im September 2014 dazu. Das zweite sozusagen – nun aber etwas besser ausgestattet als meine kleine Kammer in Dresden. In meinem Fotoatelier in den Blo-Ateliers gibt es eine Dunkelkammer mit 4 Vergrößerer, Arbeitsplätzen für Klein-und Mittelformat, einem großen Waschtisch, Filmentwicklermaschine und Filmtrockner und vielem Zubehör. Neben dem Vergrößern ist es möglich S/W-Negative, C41 (FarbNegativ) und E6 (Farb-Dia) zu entwickeln.
Atelier_Außenansicht_Foto_Sabine_Alex
Darüber hinaus, kann man das Atelier auch als Fotostudio nutzen. Dunkelkammer und Fotostudio können natürlich auch gemietet werden.
Für euch als analoge Einsteiger, gibt es jede Menge Angebote, wie z.B. den Offenen Werkstattabend jeden Donnerstag von 18-22 Uhr. Hier kann man seine Filme entwickeln, Abzüge machen, Fragen stellen und sich bei einem Tee über die Schönheit der analogen Fotografie unterhalten. Wer einen grundlegenden ersten Einblick in die analoge Fotografie bekommen möchte, dem sei der monatliche Einsteiger-Workshop zur Film-und Fotoentwicklung ans Herz gelegt.
Kurt_Innenansicht_Foto_Claudia_Jürgens
Nach 5 Jahren Mobiler Dunkelkammer schaue ich auf eine aufregende, lehrreiche und manchmal turbulente Zeit zurück. Seit 2013 leite ich neben der Mobilen Dunkelkammer auch die Workshops beim analogen Fotofestival analogueNOW! in Berlin.
Für die Zukunft sind interessante Workshops und Projekte geplant und an ein Stillesitzen ist nicht zu denken. Der Antrieb hierfür hat sich in den 5 Jahren nicht verändert und ist noch der Gleiche wie am ersten Tag in meiner ersten Dresdner Dunkelkammer. Die Neugier ist es, die mich antreibt. Denn für mich ist die analoge Fotografie das einzige Medium, bei dem man nie aufhört zu experimentieren und neue Facetten zu entdecken.
Wer jetzt Lust bekommen hat, im Labor in Berlin zu entwickeln, oder die Mobile Dunkelkammer zu seine Stadt zu holen, oder Fragen zum Thema Dunkelkammer hat, kann gerne mit mir Kontakt aufnehmen.

Mehr Infos zur Mobilen Dunkelkammer gibt’s unter:

www.facebook.com/Mobile-Dunkelkammer-583598485025347
www.mobile.dunkelkammer.blogspot.com

Liebe Grüße,
Sabine | Mobile Dunkelkammer